Arthur

Arthur liebte sein Leben. Er wohnte immer dort, wo es feucht und warm war. Zur Zeit gerade in den Rohren und Leitungen unter der Stadt. Die Menschen sagten dazu “Kanalisation”. Dort fühlte Arthur sich sehr wohl und lebte mit fast 200 Artgenossen in einer riesigen Familie zusammen. Dazu gehörten sowohl Eltern als auch Großeltern und die Kinder und Enkel. Zusammen ging man auf die Jagd oder die Kleinen spielten miteinander. So trainierten sie ihr Verhalten. Also zum Beispiel übten sie Kämpfen, Jagen und Verstecken. Es gab außerdem in der riesigen Vereinigung, der Arthur angehörte, sogenannte Vorkoster. Das waren die Tiere, die neue Nahrungsmittel immer probieren mussten, bevor die anderen davon fraßen. Es war nicht so schön Vorkoster zu sein, denn wenn das Fressen schlecht oder gar giftig war, ging es den Vorkostern natürlich sehr schlecht. Aber wenigstens ging es dann hinterher nicht allen schlecht, sondern eben nur den Vorkostern. Zum Glück war Arthur so etwas nicht. Er war eher ein ranghohes Tier und durfte sogar mit entscheiden, wo die Familie die nächste Zeit verbrachte.

blume_klein

Aber im Moment waren sie in diesem Teil der Kanalisation sehr gut aufgehoben. Hier war es nicht so hell, ein wenig feucht und im Sommer schön warm. Das gefiel Arthur und seiner Familie. Außerdem konnte man von hier aus sicher auf Streifzüge gehen und Nahrungsmittel besorgen. Das war wichtig. Arthur und seine Familie fraßen fast alles. Sie mochten sowohl Obst und Gemüse, als auch Fleisch und Fisch oder Brot und Kuchen. Deshalb brachten sie von ihren Streifzügen durch die Stadt einfach immer alles mit, was sie so gefunden hatten. Neulich gab es Schokolade und Weingummis. Die hatte jemand im Garten aufbewahrt und ein paar Tiere aus Arthurs Familie hatten sie dann gefunden. Mit größter Kraftanstrengung hatten sie es dann in ein Versteck gebracht. Dort hatten es zwei von ihnen bewacht, die beiden anderen gingen Teile der Familie holen. Voller Begeisterung machten sie sich dann alle über das süße, leckere Festmahl her. Sie konnten auch den Mann schreien hören, der irgendwann Schokolade und Weingummis ins Haus holen wollte.

blume_klein

“Wer hat die Süßigkeiten gestohlen? Das kann ja wohl nicht wahr sein! Aus dem eigenen Garten!”, schimpfte er vor sich hin.
Das störte Arthur und seine Familie aber nicht weiter. Nachdem sie einen Teil gefressen hatten, nahmen sie die Reste zwischen ihre Zähne und schleppten sie zum nächsten Gulli. Den kannten sie und wussten, dass man nicht tief fiel. Also sprangen sie einer nach dem anderen in das Dunkel und schleppten dann unterirdisch ihr gefundenes Fressen zur Familie. Aber Arthur mochte auch gerne Fisch, den man dann aber meistens selber fangen musste. Das war gar nicht so einfach. Arthur hatte ja keine Angel oder gar ein Fischernetz. So musste er sich immer mit dem Behelfen, was er gerade fand. Manchmal warfen die Menschen aber auch Fisch weg. Den musste man dann nur einsammeln. Das war natürlich sehr praktisch. Die Menschen mochten Fisch schon immer sofort nicht mehr, wenn er nicht mehr ganz frisch war. Dann wurden sie krank, also schmissen sie ihn lieber weg. Von dort holte ihn sich dann Arthur oder jemand anderes aus der Familie. Wenn der Fisch schon sehr alt schien, setzte man wieder einen Vorkoster davor. Aber meist gab es gar keine Probleme. Arthur und seine Artgenossen hatten einen sehr robusten Magen.

blume_klein

Das Leben von Arthur schien also wirklich wunderbar. Die Tage vergingen wie im Flug, es gab genug zu essen, die Kinder wuchsen gut und es gab eigentlich keinen Grund zur Sorge. Aber eben nur eigentlich. Denn ein Problem gab es: die Menschen. Sie mochten Arthur und seine Familie nicht. Sie verstanden nicht, dass auch Arthur und seine Familie fressen mussten. Deshalb passten die Menschen immer auf, dass kein Essen im Garten lag. Sie versteckten ihre Mülltonnen in kleinen Häusern und sie legten sogar Gift aus. Das wussten Arthur und seine Familie. Deshalb gab es ja die Vorkoster. Und wo sie einmal Gift gefunden hatten, da gingen Arthur und seine Familie kein zweites Mal hin. Arthur war schließlich sehr intelligent, ebenso wie seine Artgenossen. An diesem Abend war Arthur im Garten einer Familie unterwegs. Er war alleine auf Streifzügen und schnupperte, ob es etwas leckeres zu stiebitzen hier geben könnte. Schnell schaute er in den Teich, aber kein Fisch schien in Sicht. Also schlich Arthur schnell weiter zur Terasse. Irgendwo dort waren meist auch die Mülltonnen. Er erblickte einen großen Schuppen und darin schien allerlei Zeugs zu stehen. Schnell lief Arthur hinein. Er sah zwei Mülltonnen, einen Sack mit alter Kleidung, Holz zum Heizen und einen großen Topf. Plötzlich klapperte die Tür zum Schuppen und schlug auf und zu im Wind. Arthur erschreckte sich und versteckte sich schnell hinter einer der Mülltonnen. Er machte sich extra klein, als eine Frau kam und den Schuppen verschloss. Sie machte einen Riegel vor und schob dann von außen einen Gegenstand vor die Tür.

blume_klein

“Heinz, die Tür zum Schuppen stand schon wieder offen, wir müssen unbedingt einen neuen Riegel anbringen!” rief sie jemandem zu und dann wurde es still.
Arthur kam wieder aus seinem Versteck und stellte fest, dass er eingesperrt worden war. Das war nicht so schön, aber wo Arthur eingesperrt worden war! In einem Schuppen voller Fressen! Zunächst kletterte Arthur über das Holz auf die eine Mülltonne. Er hatte Glück gehabt: beide Tonnen waren so voll, dass der Deckel nicht mehr ganz zu ging. So kroch Arthur in eine Tonne und wühlte sich durch den Abfall. Es gab Knochen von einem Braten. Da war noch richtig viel dran und Arthur knabberte genussvoll los. Dann fand es zwei Äpfel, die schon ein wenig braun waren. Das machte Arthur überhaupt nichts aus, also probierte er auch davon. Weiter unten gab es ein altes Pausenbrot mit Käse auf leckerer Butter. Was für ein Hochgenuss! Arthur konnte gar nicht aufhören zu fressen. Es war alles so lecker! Aber als er satt war, kroch er aus der Tonne wieder heraus und suchte sich ein Versteck zum schlafen. Er wollte unbedingt weiter fressen in der anderen Tonne, wenn er wieder wach wurde. Also verkroch Arthur sich zwischen dem gestapelten Holz und schlief wohlig gesättigt ein. Er träumte von noch mehr Fressen und als er nach ein paar Stunden wieder wach wurde, war tatsächlich alles noch da! Schnell turnte Arthur wieder den Haufen Holz hinauf, sprang von dort aus auf die zweite Mülltonne und kroch auch dort durch die Tüten und den Abfall. Er fand einen Joghurt-Becher. Da war noch so viel drin! Arthur konnte es kaum fassen und leckte den Becher bis auf den letzten Krümel aus. Dann fand er einen leeren Margarine-Becher.

blume_klein

Ein Paradies auf Erden war das hier! Arthur war begeistert und dachte an seine Familie, die jetzt vielleicht nach ihm suchte. Er wusste ja gar nicht, wie lange er schon hier fest steckte. Aber Arthur war eindeutig schon an schlechteren Orten aus Versehen eingesperrt worden. Nach der Margarine-Packung fand Arthur eine grüne Verpackung, aus der roch es seltsam. Als er sich darauf setzte, kamen kleine Seifenblasen heraus und Arthur entschied, dass er ohne Vorkoster lieber nicht davon probieren würde. Dann fand Arthur Konservendosen. In der einen fand er Pilze, in einer anderen Mais und in der dritten klebte noch ein Rest Suppe. Es waren überall nur Reste. Aber es waren einfach so viele leckere Reste! Arthur kroch immer weiter in die Tonne und fand sogar in einer Tüte noch Keksreste, die er dann auch noch knabberte. Vollkommen vollgefressen konnte Arthur weder vor noch zurück. Ihm war so fürchterlich schlecht, dass er beschloss, eine kurze Pause zu machen. Er lag gerade erst ein paar Minuten still, als auf einmal die Tür des Schuppens klapperte und kurz darauf die Tonne bewegt wurde. Das war doch seine Tonne! Irgendjemand wollte seine Tonne klauen! Arthur versuchte, sich wieder nach oben zum Deckel zu graben.

blume_klein

“Ja Schatz, ich weiß, dass die Müllabfuhr erst morgen kommt. Aber dann muss ich so früh aufstehen. Ich stelle die Tonne lieber schon heute abend an die Straße”, schrie die Frau, die auch die Schuppentür zugemacht hatte.
Arthur konnte natürlich kein Wort verstehen, also machte er sich klein in der Tonne, damit die Frau ihn nicht sah. Sie schob beide Tonnen von der Terasse auf die Einfahrt und ließ sie dann neben dem Tor stehen. Schnell stöckelte sie zurück in ihr Haus und schon war es wieder still. Arthur kroch aus dem Abfall an die Oberfläche und warf einen Blick auf die Straße. Er war wieder frei! Das war gut. Aber noch besser waren die restlichen Abfälle in der Tonne. Davon konnte Arthur sich noch nicht trennen. Er wechselte noch einmal in die erste Tonne. Es war wirklich sehr nett von der Frau gewesen, dass sie beide Tonnen so dicht neben einander gestellt hatte! In dieser Tonne waren der Knochen, die Äpfel und das Pausenbrot gewesen. Arthur kroch nun noch weiter in die Tonne hinein und fand weiter unten noch mehr Brote. Irgendjemand mochte hier die Brote nicht, die die Frau ihm jeden Tag schmierte. Aber Arthur mochte sie. Also knabberte er noch an einem weiter und schnappte sich schließlich eines, das noch in Papier eingewickelt war. Er klemmte es zwischen seine kräftigen Nagezähne und verließ kurz darauf die Mülltonne. Das Brot hielt er dabei fest zwischen den Zähnen. Dann suchte Arthur den Gulli, aus dem er gekommen war, als er Nahrung suchen gehen wollte. Wie lange das wohl schon her war? Arthur wusste es nicht. Aber es war schon dunkel draußen und als er los gegangen war, war es noch hell gewesen. Also beeilte Arthur sich, zu seiner Familie zu kommen.

blume_klein

Arthur! Wo kommst du denn her? Wir dachten, dir wäre etwas passiert!” wurde er vom ersten Wachposten seiner Familie begrüßt.
“Ich war in einem Schuppen gefangen, aber es geht mir gut!” Eilig lief Arthur weiter und fand sich bald im Kreise seiner Familie wieder. Die hatten schon beraten, was sie machen sollten. Aber nun war Arthur ja wieder da! Es gab großes Geschrei und dann erzählte Arthur von seinen Erlebnissen – während die anderen das leckere Käsebrot fraßen. Arthur selber war noch immer so satt, er konnte die nächsten zwei Tage nichts essen. Das war wahrlich ein aufregender Tag in seinem kleinen …-Leben gewesen.

blume_klein

Was meint ihr, was Arthur für ein Tier ist?

Hier findet ihr die Lösung

snowflake snowflake snowflake snowflake snowflake snowflake snowflake snowflakeWordpress Schneesturm mit Unterstützung von nksnow