Die ersten drei Tage sagte Ella kein Wort. Kiliposa konnte sich gar nicht vorstellen, auch nur drei Stunden nicht zu reden. Aber Ella schwieg ganze drei Tage.
Kiliposa sprach sie hin und wieder an: “Ella, wie geht es dir heute?” oder “Ella, möchtest du auch noch etwas fressen?”, aber es kam keine Antwort.
Die beiden Alpakas bestaunten Ella nur stumm.
Nach drei Tagen, die Ella stumm geblieben war, schlug Kiliposa vor, im Garten fangen zu spielen. Es war nach einigen Regentagen wieder herrlicher Sonnenschein und Kiliposa war ganz ungeduldig, in den Garten zu kommen und ein wenig zu toben.
“Was meinst du, mit fangen spielen?”, fragte Ella plötzlich. Kiliposa drehte sich mit Schwung zu Ella um, die sich ein wenig erschrak.
“Na toben. Im Garten. Du kannst ja doch sprechen! Wie herrlich!”, rief Kiliposa laut aus.
Ella überlegte kurz und fragte dann nach: “Wie meinst du das? Im Garten?”
Kiliposa nickte: “Sicher. Hier drinnen kann man sich ja nicht wirklich bewegen! Im Garten ist viel Platz.”
Ella nickte stumm.
Es dauerte nicht lange, da kam das Herrchen zum Stall. Er öffnete weit die Türen und begrüßte seine Tiere: “Na, habt ihr schon das herrliche Wetter gesehen? Sonnenschein!”
Dann drehte er sich um und ging zur Scheune, um etwas Heu zu holen. Die Tür vom Stall blieb natürlich offen stehen. Ella rühte sich nicht vom Fleck, schaute aber interessiert in den Garten.
Das Herrchen brachte den Tieren ihr Fressen und Kiliposa mampfte sogleich los. Auch die beiden Alpakas hauten rein, also begann auch Ella vorsichtig zu fressen.
“Bekommt ihr jeden Tag neues Fressen?”, fragte sie.
Kiliposa schüttelte den Kopf: “Was ist denn das für eine Frage? Aber sicher bekommen wir jeden Tag etwas zu fressen! Heu, Möhrchen, manchmal auch Obst, Gras oder irgendwelche Zweige, zum Knabbern.”
Ella fragte weiter: “Dann könnt ihr immer alles auffressen, weil ihr wisst, dass am nächsten Tag wieder neues Fressen kommt?”
Kiliposa nickte: “Na, aber sicher!”
Dann warf Kiliposa den Kopf nach hinten und rannte los. Raus aus dem Stall, ab in den Garten. Die beiden Alpakas folgten ihr und trabten gemütlich über den Hof. Ella schaute ihnen nach.
Doch sie konnte noch nicht hinterher laufen: sie hatte ein wenig Angst, aber vor allem immer noch Hunger. Ella senkte den Kopf und begann zu fressen. Jetzt wo keiner mehr guckte, konnte Ella gar nicht aufhören. So viel leckeres, fantastisches Heu! So viel hatte Ella noch nie auf einem Haufen gesehen. Die letzten beiden Tage hatte sie sich nicht so recht getraut, auch Heu zu fressen. Sie wusste ja nicht, wann es das nächste Mal etwas zu fressen geben würde…
Ella fraß und fraß. Das Heu war fast komplett aufgefressen und Ella war schon ein wenig schlecht. Sie schaute in den Garten, doch Kiliposa und die beiden Alpakas waren nicht in Sicht.
Vorsichtig kam Ella aus dem Stall. Die Sonne strahlte auf ihren Rücken und war angenehm warm. Und Ella war zum ersten Mal seit Wochen richtig satt. Ella fing vorsichtig an, durch den Garte zu traben. Über den Vorgarten, um das Haus, an der Scheune vorbei, Richtung Garten. Als Ella dort ankam, traute sie ihren Augen nicht. Da war Platz, ganz viel Platz. Ella lief los. Immer schneller und schneller, sie konnte gar nicht mehr aufhören. Sie rannte und rannte, ihre Beine lockerten sich und sie spürte wieder ihre Füße. Sie rief laut “IIAAH” und raste immer weiter. Im Kreis, um die Kurve, um den Apfelbaum, vorbei an der Schaukel für die Kinder, immer weiter.
Kiliposa und die Alpakas standen am Johannisbeerbusch und staunten nicht schlecht, als Ella vorbei raste.
Kiliposa zog eine lachende Schnute: “Na, da hat ja wohl jemand gerade ein bisschen zu viel Schwung. Kein Wunder, wenn man so viel Heu frisst!”
Kiliposa und die Alpakas lachten: was für ein fantastischer Tag!